Caro wird fit!

Shut up and squat!

In meinem Leben gab es bis zum Zickenknie zwei Arztbesuche wegen des Sports.

Nummer eins erfolgte, als ich mir einbildete, dass ich in meinem Leben auch einmal einen Ironman geschafft haben müsste. Ich rannte, fuhr Rad und schwamm ohne Sinn und Verstand. Hauptsache viel, Hauptsache irgendetwas. So im nachhinein ist wohl klar, dass das nicht gut gehen konnte. Irgendwann stand ich mit Hüftschmerzen bei einem Sportmediziner, der mir folgendes sagte: „Hüftsfehlstellung, Scheuermann, X-Beine, deutliches Übergewicht. Sieht nicht gut aus. Sind sie sicher, dass sie das machen wollen? Ich meine, sparen sie sich das Geld und die Zeit!“. Das saß! Mein Wahnsinnsziel habe ich umgehend mal an den Nagel gehängt. (Und ja ich gebe zu, wer mal so aus einer Laune heraus denkt, das auch schaffen zu können…mal eben so…der hat sich geschnitten).

Nummer zwei fand kurze Zeit später statt, als ein verhinderter Rennfahrer sich von mir und meinem Rad in Wiesbaden behindert fühlte. Man öffne jetzt bitte die tieftse AufgemotzterBMWmitSpoilerundüberschminkterMuddiaufdemBeifahrersitz-Schublade und stelle sich einen, vor Zorn schwitzenden, solariengebräunten Goldkettenträger vor, der mich aus dem Schutz seines Blechrosses heraus anbrüllt. Zu dieser Zeit war ich noch deutlich mutiger und brüllte fleissig zurück. Eine komplette Ampelphase lang haben wir uns also gegenseitig beleidigt, bis ich beschloss die Grünphase zu nutzen und einfach weiter zu fahren, das wollte der Herr mit Testosteronüberschuss aber nicht so einfach auf sich sitzen lassen. Mit dem eindeutig schwereren Material (Auto gegen Rennrad plus Speckie) drängte er mich immer weiter von der Fahrbahn ab, was mir einen ziemlich hohen Puls, Angstschweiss und aussetzende Koordination bescherte. Auf den Gehweg fahren war mit dem Rennrad nicht drin und an der nächsten Ampel nahm das Drama seinen Lauf, als mir wieder einfiel, dass ich jetzt mal irgendwie aus den Klickpedalen raus müsse. Wie es immer so ist, wenn man hektisch versucht umzusetzen, was der Kopf so vergibt – es funktionierte nicht. Ich hing in den Pedalen fest und kippte in Zeitlupe in Richtung Auto. Mittlerweile brüllte auch die aufgeschminkte Beifahrerdame, weil ich ihr zu nah kam. Der Hobbyrennfahrer gab Gas, fuhr über die rote Ampel und entschwand gen Sonnenuntergang während ich ziemlich unsanft auf der Straße landete. Bei diesem Sturz verewigte sich das Kettenblatt meines Rades in meiner Wade, was mir aber erst auffiel, als ein Kind am Straßenrand zu seiner Mutter sagte: „Iiiiih! Mama, schau mal, die Frau blutet ganz eklig!“. Viel passiert ist letzten Endes nicht, aber auch hier sagte der Arzt später sowas wie: „Echt jetzt? Rennrad? Sie?“. Danach habe ich auch erstmal länger nichts gemacht.

Auch dieses mal schien der Orthopäde doch sehr überrascht, dass jemand wie ich tatsächlich Sport macht. Meine Top Five Fragen:

„Bewegen Sie sich?“ Ne, gerade nicht. Wie Sie sehen, liege ich ja hier und werde von Ihnen untersucht.

„Dreimal pro Woche Sport????“ mit überraschtem Blick und anschliessendem Stirnrunzeln

„Cross – was?“ Crossfit, ja tatsächlich, heisst so, macht Spaß, habkeineLustdaszumhundertstenmalzuerzählen.

„Und das ist so eine Art Zirkeltraining?“ Lustlosesgenuschelweilsieheoben

„Aber Sie wissen, dass ein Großteil der Abnahme durch eine Ernährungsumstellung erreicht wird?“ Ne, ich erkläre Ihnen jetzt nicht auch noch was Paleo ist.

😉

Und so leicht gebe ich nicht auf. Das ist hier ein Wettbewerb mit und gleichzeitig auch gegen meinen Körper. Dieses mal wird alles eingesetzt, was ich bieten kann, um an mein Ziel zu kommen. Pull Ups bis Weihnachten. Da kann das Knie gar nicht meckern.

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4 thoughts on “Arztbesuche

  1. arwen1234 sagt:

    Das kenne ich sooo verdammt gut. Ich war mal bei einer Ärtzin weil sich trotz Low-Carb-Kaloriendefizit und viermal Sport pro Woche nichts auf der Waage tat. Ich brauche sowieso eewig, eh ich mich aufraffen kann, mal zum Arzt zu gehen. Und dann hab ichs geschafft, komme nach Stunden im Wartesaal dran, erzähle, was ich mache und was los ist. Und immer wieder sagt die Dame, die mich keines Blickes würdigt: Dann ist das wohl einfach nicht genug. Meine Schilddrüse wollte sie mal abchecken. Als sie dann merkt, dass ich langsam frustriert bin, meint sie von der Seite: Wie sehen denn ihre Eltern aus, sind die übergewichtig? Na, sehen sie, dann ists die Genetik.

    Achso, na dann leg ich mal die Hände in den Schoß. Und das, wo ich doch schon wegen totaler Frustration überhaupt hingegangen bin. Seit man mir mein Übergewicht nicht mehr auf den ersten Blick ansieht, behandeln die Ärzte mich auch wie einen Menschen, hören mir mal zu, untersuchen mich auch mal. Früher kam ich mir immer verarscht vor, wenn ich das Wartezimmer verließ und außer frommen Sprüchen nichts mitbekommen hatte.

    Das ist so bitter. Aber gut, dass du da Ruhe bewahrst. Ich geh inzwischen nur noch zum Arzt, wenn ich glaube, sterben zu müssen. ^^

    1. Caro sagt:

      Ruhig bleiben hilft wirklich. Es ärgert mich zwar maßlos, wenn ich merke, dass man mich gerade mal in eine Schublade einsortiert hat (zu dick, bewegt sich zu wenig und isst zu viel), aber letzten Endes brauchen Ärzte diese Schubladen auch irgendwie, um möglichst schnell eine Sutiation einschätzen zu können. Wirklich ärgerlich wird es dann, wenn Menschen nicht mehr in der Lage sind in ihrem Apothekerschrank auch noch einmal umzusortieren und ihr Lösungsangebote/Nichtlösungen zu überdenken.

      Und die Gene? Ich bitte Dich! Das ist doch genau das was vielen vorgeworfen wird, man würde sich auf „schweren Knochen“ und „schlechten Genen“ ausruhen. Ganz toll, einen mit sowas abzufertigen…da spricht eine große Portion Unlust am eigenen Job.

  2. Tanja sagt:

    Hey Caro,
    dein Blog ist klasse und soo motivierend! Im Moment habe ich auch ein Zickenknie und versuche mich (bisher noch vergeblich!) am Klimmzug, fühle mich hier also sehr sehr verstanden! 😉
    Liebe Grüße!
    Tanja

    1. Caro sagt:

      Hi Tanja,

      Willkommen auf meinem Blog und gute Besserung für’s eigene Zickenknie! Immer schön dran bleiben 🙂
      Es freut mich sehr, dass es Dir hier so gut gefällt!

      Liebe Grüße,
      Caro

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