Caro wird fit!

Shut up and squat!

Gestern postete eine Freundin einen Artikel über Paleo mit dem markigen Titel „Six reasons you shouldn’t take dietary advice from Cavemen“. Im dritten Absatz schreibt der Autor, dass er nicht auf Crossfit im speziellen eingehen möchte „I’m not going to address crossfit in this blog, because explaining that you’d have to be a goddamm idiot to think that an empty concrete warehouse with a pullup bar and a kettle bell is worth $135 a month is beneath me….“. Ich will aber darauf eingehen, ganz im speziellen und sehr gerne. Mal ganz davon abgesehen, dass er schon nach wenigen Worten beleidigend wird, um zu unterstreichen, wie recht er doch hat…ist er doch nicht besser als seine Freunde, die sich in seinen Augen für etwas besseres halten, weil sie doch nun Crossfit machen und sich „Paleo“ ernähren. Wenn dem so ist, mein Lieber, dann hast Du ganz sicher die falschen Freunde. Aber bleiben wir mal beim Zitat. Hier wird nun behauptet, dass Menschen bereit sind für die Nutzung einer leeren Halle, ausgestattet mit mickrigem Equipment, eine große Menge Geld zu zahlen. So ein Geschäftsmodell würde ganz sicher nicht lange gut gehen. Man zahlt ja bei einem Schwimmkurs ja auch nicht für ein Planschbecken mit Wasser drin. Wofür zahle ich also, wenn ich zum Crossfit gehe? Ich zahle natürlich auch für eine Halle, für Unmengen an Kettlebells in unterschiedlichen Gewichtsklassen, Hantelstangen, Rudergeräte, Fahrräder, blaaaablaaa. Vor allen Dingen zahle ich aber für ein Training, dass speziell auf mich und maximal 9 andere, die an einer Stunde teilnehmen, zugeschnitten ist. Ich melde mich vor jeder Stunde online an, so können die Trainer vorab sehen, wer da sein wird und individuell auf meinen Leistungsstand eingehen. Ich zahle dafür, dass Ingo oder Kenny neben mir stehen und mich korrigieren, wenn ich etwas falsch mache. Ich zahle für neue Ideen, für eine andere Art zu trainieren, für eine große Portion Motivation von außen. Kurzum, ich zahle für sehr gute Arbeit und das gerne. Wer seinen Artikel also damit beginnt auf eine Personengruppe einzudreschen, die für gute Leistung gutes Geld zahlen kann und will, der steht für mich auf einer Stufe mit Menschen, die beim Friseur nölen, wenn der Preis für den Haarschnitt dem Friseur einen ordentlichen Stundenlohn ermöglicht. Wer will darf sich jetzt ausrechnen, was man wohl mit so einer Box verdienen mag. Ich kann euch garantieren, dass sich da keiner einen Porsche von finanzieren wird.

Aber kommen wir zum ursprünglichen Thema des Artikels. Paleeoooooo. Steinzeiternährung. Wenn mich jemand fragte, wie ich denn abgenommen habe, sagte ich in den letzten Monaten gerne, dass es sich um Paleo handelt. Wie das auch so ist, wenn man von etwas begeistert und überzeugt ist, habe ich auch sehr gerne erklärt, wie es funktioniert, was ich esse, was ich nicht esse und so weiter…Aber ich bin kein Missionar, Paleo ist keine Religion und Paleo ist vor allen Dingen nicht die Lösung allen Unheils. Ich erzähle immer noch gerne was ich esse, aber ich habe einfach keine Lust mich jedesmal dafür rechtfertigen zu müssen. Wenn Menschen etwas nicht kennen, neigen sie dazu es erst einmal schlecht zu machen, die Gefahren zu sehen und alles zu hinterfragen. Das ist im Grunde keine schlechte Eigenschaft, man sollte sich nicht blindlings auf alles stürzen, was neu ist und mitrennen. Ich persönlich habe aber weder genügend Wissen, noch Lust jedem Kritiker zu erklären, warum ich exakt genau diese Form der Ernährung für mich gewählt habe. Also tue ich das nicht mehr. Und ich nenne es auch nicht mehr Paleo. Schon der Name allein führt zu so unendlich vielen Missverständnissen und bietet so viele Möglichkeiten, das was ich für mich für richtig halte, schlecht zu machen, dass ich ihn schlicht nicht mehr nutze. Man hat das Wort Steinzeit… noch nicht richtig ausgesprochen, da folgen schon die üblichen Einwürfe „Aber ihr esst dann ja nuuuuur noch Fleich????!!!“ „Aber, wenn Du wirklich, echt und richtig Paleo essen wolltest, dürftest Du ja nur noch rohes Fleisch, nichts gekochtes mehr!“ „Aber, wenn Du wirklich, echt und richtig Paleo Leben wolltest, müsstet Du ja Dein Mammut selbst erlegen!?“. Hierzu dürft ihr euch gerne immer einen triumphierenden Blick meines Gegenübers und einen gelangweilten Blick meinerseits vorstellen. Ich habe es einfach schon sooooooooooooooooooo oft gehört. Und erklärt. Und zugehört. Und Gegenargumente vorgebracht. Und nein, ich schicke meinen Mann nicht am frühen Morgen im Mammutfell aus dem Haus, damit er uns das Abendessen erlegen kann, während ich ein paar Nüsse von der Erde klaube. Es wird anstrengend und das soll es nicht werden. Ich nenne es also nicht mehr Paleo. Ich will nicht aufwiegeln und ich will keine Artikel provozieren, die einem schon fast angenervt ins Gesicht schreien: „Halts Maul mit Paleo, ich kann es nicht mehr hören!“. Der Ärmste muss wirklich schlimme Freunde haben. Aber euch möchte ich mich ein wenig erklären. Wie esse ichund warum esse ich so? Wer jetzt wissenschaftliches erwartet ist hier falsch. Das kann ich nicht bieten.

Entschieden habe ich mich für diese Form der Ernährung, weil ich sie für mich als die richtige empfinde – zur Zeit- denn auch das kann sich ändern, jederzeit. Und sie steht nicht zur Diskussion – niemals – ich entscheide für mich allein. Ich würde auch niemals mit einem Veganer über seine Form der Ernährung diskutieren. Wer sich dafür entscheidet hat seine Gründe, auch wenn ich sie nicht gut finden mag. Diese Haltung erwarte ich auch von anderen. Nochmal – Essen ist keine Religion!

Ich esse Fleisch, ich esse Fisch, ich esse Eier. Fast zu jeder Mahlzeit eines davon. Weil es mir schmeckt, weil ich es mag und mich gut damit fühle. Mein Fleisch kaufe ich (nach Möglichkeit) direkt von Bauern aus der Region, die ihre Tiere gut halten. Das hat verschiedene Gründe. Zum einen wünsche ich mir, dass kein Tier wegen mir durch die halbe Welt gekarrt werden muss, zum anderen möchte ich, dass ein Tier, dessen Fleisch ich esse, vor seinem Tod ein Leben ohne Leid und Elend verbingen konnte. Unter anderem aus diesem Grund wollte ich einmal meinen Jagdschein machen, für mich persönlich die annehmbarste Art an Fleisch zu kommen. Ein weiterer Grund, warum ich sehr gerne bei Landwirten aus der näheren Umgebung kaufe ist, dass ich das bekomme, was „drauf steht“ und, dass der Landwirt eine angemessene Bezahlung erhält. Meist kaufe ich gleich mehrere Kilo Fleisch und friere diese ein (ja, die Steinzeitmenschen hatten keine Kühltruhe). Für Eier und Fisch gilt selbiges, wobei ich nur sehr wenig Fisch esse, da wird die ganze Sache ja nun doch etwas komplizierter. Sehr nah dran sind Milchprodukte. Auch hier versuche ich möglichst Rohmilch beim Bauern zu kaufen. Da wir derzeit kein Auto haben, gestaltet sich die Sache leider schwierig, zumal der Mann auch einen extrem hohen Milchverbrauch hat 🙂 Sobald wir wieder mobil sind, werde ich meinen Samstagseinkauf wieder bei meinem Lieblingsladen machen und mir jedesmal einige Flaschen Rohmilch mitnehmen. Jetzt werden einige denken, Miiiiilch, das ist doch nicht Paleooo? Ja, darüber streitet man sich gerne, ich nicht. Ich vertrage Milch ganz gut, sofern ich nicht zu viel zu mir nehme. Also gibt es in unserem Haus auch Käse (für mich selten) und vor allen Dingen griechischen Joghurt. Yip, ich habe auch kein Problem mit Fett. Womit wir schon beim nächsten Thema wären, Fette. Ich esse gerne Butter, Margarine fand ich schon immer eklig und dieses ganz Halbfettzeug noch ekliger. Bei uns im Kühlschrank finden sich Butter, Butterschmalz, gelegentlich Schweineschmalz, außerhalb des Kühlschranks Nußöle, ein sehr gutes Olivenöl und ein riesiges Bügelglas Kokosfett.

Für wen sich das jetzt anhört, als würde ich mich nur von Fleisch und Fett ernähren, für den kommt hier der nächste und wichtigste Part. Gemüse und Obst. Beides aß ich schon immer gerne, aber nie in solchen Mengen, wie jetzt. Mein Teller besteht meist aus handgroßen Stück Fleisch  oder 3-4 Eiern und einer ordentlichen Portion Gemüse. Es gibt kaum eine Gemüse, dass ich gar nicht mag. Nur bei Auberginen bin ich etwas kritisch, die müssen schon sehr gut zubereitet sein. Zum Gemüse gehört für mich auch Sauerkraut und anderes Eingelegtes. Aber nie mit Zucker, das schmeckt mir mittlerweile nicht mehr. Meist sind mir auch Trockenfrüchte zu süß, wobei ich Apfelringe ganz gerne mag.Auch das Gemüse kaufe ich regional und saisonal, im Winter kann das schon mal eintönig werden, hier halte ich mich nicht immer dran, aber dass man mitten im Winter keine frischen Erdbeeren kaufen sollte, weiß ja mittlerweile auch jedes Kind. Zur Zeit ist es ohnehin nicht einfach in ganz Deutschland regional Gemüse zu kaufen. Die Flut hat vielen Landwirten die Ernte zerstört, einige mussten einen Komplettausfall verzeichnen. In der Steinzeit würden wir in so einem Fall ums Feuer sitzen und ins Leere schauen, wo ein Ernteausfall, da kein Essen. Glücklicherweise haben wir heute Alternativen und können uns dennoch gesund ernähren. Ein weiterer Bestandteil meiner Ernährung sind Nüsse und geringe Mengen Nussmehle. In unserem Küchenschrank finden sich Macadamias (ich bin leider süchtig danach), Cashews, Haselnüsse, Walnüsse, Kokosmehl, Mandelmehl und Maronenmehl.

Es gibt Tage, an denen habe ich keinen Hunger, sondern Appetit. Appetit auf Schokolade, Kuchen oder Rosinenbrötchen. Und ja, dann esse ich sie auch. Mit Genuß und mit Bedacht. Ob man das alles jetzt Paleo nennt oder nicht, ich bin davon überzeugt, dass ich mich gesund und fair ernähre und ich habe ein gutes Gefühl dabei. Für mich allein. Wer neben mir sitzt und in ein Brötchen beisst, der muss sich nicht vor Belehrungen fürchten und kann gerne noch das nächste Stück Torte nehmen. Haut rein! Leben und leben lassen! Und doch – irgendwoher muss der Autor seine Aggressionen ja her haben. Wenn ihr selbst Paleo esst, hört mal in euch rein, denkt nach. Geht ihr eurer Umwelt auf den Nerv? Seid ihr vielleicht so sehr begeistert, dass ihr anfangt zu predigen?

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4 thoughts on “Paleo und die angenervten anderen…

  1. Claudi sagt:

    Hallo Caro,
    danke für diesen Blogeintrag. Endlich mal leben und leben lassen. Sehr schön.
    Was macht das Knie?
    Viele Grüße,
    Claudi

    1. Caro sagt:

      Hi Claudi,
      freut mich, dass Dir der Post gefallen hat! Das Knie will noch geschont werden, aber es finden sich ja tausend andere Möglichkeiten, mich ordentlich schwitzen zu lassen 😉
      Liebe Grüße,
      Caro

  2. Daniela Waldmann sagt:

    Liebe Caro, ich hätte da ein ganz tolles Rezept für Auberginen-Puffer anzubieten (mein Ersatz für Kartoffelpuffer!) … geht wahlweise auch mit Zuccini. Ich mag Auberginen nämlich auch nicht – nur in dieser „Pufferform“ finde ich sie sensationell! 🙂
    Liebe Grüße,
    Dani

    1. Caro sagt:

      Hi Dani, schön, dass Du mitliest und immer her damit. Das wird auch gerne verbloggt 🙂
      Liebe Grüße,
      Caro

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