Caro wird fit!

Shut up and squat!

07.30Uhr am Samstag Morgen, heute fällt Sport aus. Ich bin auch nicht etwa schon wieder verletzt sondern auf dem Weg nach Münnerstadt, am Ende der Welt, um 3.000 Menschen dabei zuzusehen, wie sie den Traum eines jeden Sandkastenkindes ausleben: Einmal so richtig einsauen, ohne dass Mama schimpft. Hysterisch geschrien wird hier von Müttern nicht etwa, weil das Persil ausgegangen ist, sondern vor Begeisterung. Verkehrte Welt, da bekommt man über Jahre beigebracht, dass man sich nicht schmutzig machen, die guten Sachen schonen, nicht immer in die Pfützen springen und doch bitte, bitte mal endlich ordentlich essen soll, damit Mutti nicht jede Woche LKW-Ladungen voll Wäsche waschen muss. Und dann passiert im Erwachsenenalter was? Ich stehe neben meiner Mutter, die sich vor Begeisterung völlig in rage klatscht, während der eigene Bruder in seinem Schlammkostüm nur noch an den Augen erkennbar ist. Soweit die Kurzfassung vom Bravetheartbattle 😉

In der Langform standen wir als Zuschauer erstmal im Münnerstädter Sportstadion und haben uns den Start angesehen. Zu diesem Zeitpunkt sind die Teilnehmer größtenteils noch sauber, meist auch noch an Gesicht und/oder Verkleidung erkennbar und vor allen Dingen gut gelaunt. Hier scheinen sich alle wirklich ordentlich auf den Start zu freuen. Es wird gegröhlt, geschrien, gelacht und zwischendurch mal auf die Knie gegangen, weil ein Mensch, der Masterchief genannt wird, das eben so haben will. Begleitet wird das von ordentlich Wumms aus der hauseigenen Anlage. Wenn nicht gerade Sportfreunde Stiller laufen…echt jetzt Leute? Sportfreunde Stiller? Wenn man kurz davor ist den Lauf seines Lebens zu starten? Wer bitteschön möchte denn da von seichtem Karrimplimmplimm begleitet werden? Da wünscht man sich doch eher einen Bass, der einen vom Start schon direkt auf Kilometer 3 pustet. Scheinbar bin ich da mit meiner Meinung nicht alleine. Eine der Teilnehmerinnen wünscht sich einen Musiktitel, bei dem der Gitarrist nicht im Urlaub ist. Ich muss mir vor Lachen den Bauch halten. In der Zwischenzeit versuche ich in diesem riesigen Starterpulk bekannte Gesichter auszufindig zu machen. Aus dem Club starten vier Leute und ich bilde mit Mutter, Mann, Schwägerin und Triathloncousin den Fanclub meines Bruders. Da in Blöcken gestartet wird stehen wir mittlerweile schon 30 Minuten rum. Block 1 und 2 sind durch, noch kein Bruder in Sicht. Die Hardcoretruppe aus dem Club ebenfalls nicht. Dafür: Schlümpfe, jede Menge Schotten im Rock, männliche Elfen, ein Gorilla und andere ausgediente Karnevalskostüme. Meinen Bruder erspähen wir dann in Startblock 5, letzten Endes dauert es eine komplette Stunde bis der Block auch dran ist. Der Mann hat inzwischen schon 25mal nach einer Bratwurst verlangt, der Triathloncousin hat sowieso immer Hunger und der Schwägerin und mir sind die Füße eingefroren. Das wichtigste kommt aber zuerst: die Bratwurst. Während der letzte aus des Bruders Startblock das erste Hindernis überspringt und dann auf die 26km (oder waren es jetzt 28) lange Strecke Richtung „Killing Drill“ verschwindet, stürmen wir den Bratwurststand und treffen Mittrainierende aus dem Core. So erfahre ich auch, dass die Vierertruppe aus dem Club auch schon auf der Strecke ist. Eigentlich wollten wir uns zusammentun, um dann mit dem Bus (jawohl, man fährt hier als Zuschauer Bus) zu den nächsten Hindernissen zu fahren. Leider verlieren wir uns dann aus den Augen. Wahrscheinlich sind wir einfach zu sehr auf die Bratwurst konzentriert. So als Zuschauer hat so ein Rennen ja eine ganze Menge. Man ist unterwegs, draußen an der frischen Luft, wird nicht schmutzig und kann Worschtpausen machen. Als alle endlich gegessen haben, beschließen wir zur übernächsten Haltestelle zu fahren, um meinen Bruder dort ganz sicher zu sehen. Unterwegs stellen wir fest, dass dies die richtige Entscheidung war. Vom Busfenster aus sehen wir meinen Bruder und seine beiden Freunde an der Schäfer Wall. Wir wären nicht mehr rechtzeitig dort gewesen. So können wir ganz ohne Hektik von der nächsten Haltestelle zur Station 11 laufen „Hangman“. Hier geht es über den Fluß, die Lauer. Entlanghangeln und bloß nicht runter fallen ist hier angesagt. Die Alternativstrecke geht durch den Fluß, direkt unter den Leuten, die sich oben langhangeln. Hier ist ordentlich was los. Es hängen zahlreiche Läufer im Hindernis, auf der anderen Seite ist Stau und von unserer Seite kommen schon die ersten, die hier wieder zurück wollen. Manche Hindernisse darf man nämlich gleich zweimal überwinden. Hier entdecke ich den Vierertrupp aus dem Core. Von den vieren sehe ich keinen baden gehen, das harte Training zahlt sich aus. Allerdings sind auch alle so auf das Vorankommen konzentriert, dass keiner mein Gebrülle wahr nimmt. Und ich bin wiederum so auf meine Begeisterung konzentriert, dass ich vergesse ein paar Fotos zu machen. 15 Minuten später kommt mein Bruder am Hangman an. Wie praktisch, dass man hier nur einen ganz kurzen Weg zum nächsten Hindernis hat. Die Lanoph-Fields bestehen aus Matsch und Matsch und Matsch. Auf uns kommen von der vorherigen Station einige Läufer im Schaumkleid zu, um sich sogleich wieder in den Schlamm zu stürzen. Zuerst geht es den Berg hoch und dann mitten in die Schlammlöcher rein. Alleine kommt hier niemand mehr raus. An dieser Station gebe ich auch als Zuschauer mal alles und stelle mich unvorsichtigerweise schön nah an die Matschepampe mit Menschen drin, die sich wie nasse Hunde schütteln, damit auch was davon habe. Immerhin kann ich so ordentliches Video von der Quälerei des Herrn Bruders aufnehmen. Auf dem Rückweg erwarte ich dann auch etwas hysterisches Gekreische, schließlich ich bin ja jetzt auch voll Schlamm, ernte aber ein: „Na prima, die neuen Schuhe gleich eingesaut!“. Ja, liebe Leser so ist das. Der jüngere Bruder darf einfach immer mehr, auch wenn man über 30 ist! 😉

Wir schauen noch kurz zu wie die Truppe Bananen an der Verpflegungsstation einsammelt und laufen dann wieder zur Bushaltestelle, um zu den nächsten Stationen zu fahren. Zwischen Station 18 und 19 schlagen wir unser Lager auf und feuern die Vorbeilaufenden an. Die Vierertruppe aus dem Core konnte ihr Tempo wohl gut halten und kommt recht zeitnah an uns vorbei. Auf sie wartet in wenigen hundert Metern Entfernung die Station Loch Ness, die auch bei der Wetterlage am Samstag sicher kein Spaß ist. Wir sitzen wartend weiter und feuern an. Der Mann vermeldet erneut Hunger, der Triathloncousin sowieso. Zweihundert Meter weiter haben Zuschauer einen Grill aufgebaut und essen Würstchen. Man stelle sich das vor. Das ist man durch Feuer, Wasser und die Hölle gegangen, die nächste Verpflegungsstation ist noch gut was weg, man hat sich gerade ein Gel in den Kopf gehauen und dann kommt er: Der typische Angrillgeruch. Man hat das Steak gedanklich quasi schon im Mund. Ich bin mir sicher, dass der Zuschauergrill eine geheime Station ist. Nach einer längerenWartezeit, die wir glücklicherweise in der Sonne verbingen können, kommen auch der Herr Bruder und seine beiden Begleiter an. Wir bilden hier die Zwischenverpflegung und reichen Bananen und Riegel an. Die drei bestehen quasi nur noch aus Schlamm und Dreck. Ich warte auf tadelnde Worte meiner Mutter, die sich jedoch aufs neue vor Begeisterung kaum halten kann. Pffffffffffft. Während die drei Dreckklumpen sich auf den Weg zum nächsten Wasserloch machen, beeilen wir uns auf dem Zuschauerweg dort hinzukommen. Wir wollen nicht verpassen, wie sie sich durchs eiskalte Wasser quälen und danach den Berg hoch robben. Das ist echt ein Wahnsinnsspaß. Mir wird schon beim zusehen kalt. Beim hochrobben oder hochziehen nach Loch Ness in Richtung Bauer Edi machen alle Teilnehmer in ungefähr folgendes Geräusch: ssssslllllllllrrrrrrrrrp sssssssslllllrrrrrrrrpppppp sssssssslllllrrrrrrrrpppppp. Festgepappter und durchgefrorener Matschkörper, der sich durch den Schlamm zieht. Ich will mitmachen! Als die drei die Station hinter sich haben beschliessen wir das örtliche Feuerwehrhaus auzusuchen. Der Mann und der Triathloncousin standen enttäuscht vorm leergegrillten Bratwurststand und haben erfahren, dass es dort Kuchen gibt. Frisch gestärkt geht es für uns zurück in Richtung Bushaltestelle. Wir beschliessen direkt ins Ziel zu fahren. Es ist verdammt spät und uns allen ist klar, dass es zeitlich knapp wird. Mein Bruder hat sich für das Team und gegen schnelles Durchkommen entschieden.

An der Bushaltestelle kommt dann auch der Anruf, den wir alle befürchtet haben: Bei Bauer Edi ist Schluß. Es ist von der Zeit her einfach nicht mehr machbar. Hier wird ein ganzer Pulk an Braveheartanwärtern ins Ziel gefahren. Auch bei den übrigens Hindernissen ist jetzt nach und nach Schluss. Der Fanclub macht sich also auf den Weg zum Ziel, wo wir auf meinen Bruder warten, dem bei seiner Ankunft die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben steht. Er hat sich, neben Job, Meisterschule und Hausumbau, extrem hart auf diesen Tag vorbereitet. Ich erinnere mich in diesem Moment an die Sonntagsläufe, bei denen er mich nach maximal 7km abgehängt hat, um noch weitere 11km zu laufen ….und das war nur ein klitzekleiner Teil seines Trainings. Ich denke an die vielen Trainingseinheiten, die er unter der Woche noch in seinen Alltag reingequetscht hat. Er hat sich gut vorbereitet und er hat alles dazu beigetragen, dass dieser Tag erfolgreich für ihn verläuft. Ich kann seine Enttäuschung verstehen, weil ich genauso bin. Für harte Arbeit will man belohnt werden. Aber ich weiss auch, dass er sich am Ende nicht gut dabei gefühlt hätte, hätte er seinen Freund sich selbst überlassen. Kopf hoch, Bruder, nächstes Jahr wird alles anders!

Advertisements

One thought on “Braveheartbattle 2014

  1. fearlesscreek sagt:

    loooove it! 🙂 grüß deinen bruder unbekannterweise: he rocks!!!! 🙂

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: