Caro wird fit!

Shut up and squat!

Dieser Artikel von mir erschien kürzlich auf workoutoftheday.de, der Informationsseite rund um Crossfit. Neben Vorstellungen von Boxen in ganz Deutschland erhaltet ihr hier wertvolle Tipps zum Training, Tutorials, Rezepte und immer das neueste aus der Crossfit-Welt.

“Aller Anfang ist schwer oder der Weg ist das Ziel”

Noch vor gar nicht langer Zeit war meine Vorstellung von sportlicher Betätigung eine komplett andere. Ein Muss – auf keinen Fall etwas, das auf Dauer Spaß machen kann. Eine Notwendigkeit, um abzunehmen und halbwegs gesund zu bleiben und oft auch ein Übel, dass mich Zeit und Geld kostet. Wie ich dann ausgerechnet bei CrossFit gelandet bin? Über reißerische Zeitungsartikel, die behaupteten, dass man die härteste Sportart der Welt ausprobiert habe. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich ca. ein Jahr Abstand zu einer größeren OP, gammelte auf dem Sofa so vor mich hin und nötigte mich gelegentlich dazu, das Fitnessstudio zu nutzen, für das ich jeden Monat zahlte. Ich brauche an dieser Stelle wohl nicht zu erwähnen, dass ich stark übergewichtig war und meine Studiobesuche aus gelangweilten, fernsehschauenden Crosstraineraktivitäten bestanden?

Zu diesem Zeitpunkt ertappte ich mich dabei über ein Verlassen des Studios nachzudenken, weil ich meine Kopfhörer vergessen hatte und wusste, dass ich ohne diese keine Stunde aushalte ohne vor Langeweile vom Crosstrainer zu fallen. Dazu kamen sehr vorsichtig formulierte Hinweise meines Mannes, dass eine Verschmelzung meines Körpers mit dem Sofa unmittelbar bevorstünde. Statt mich jedoch wie üblich darüber aufzuregen, dass der Mann mich nicht so sein lässt “wie ich bin” habe ich den Restehrgeiz, der mir blieb, zusammenkratzt und mich nach Lösungen umgesehen. Jetzt könnte ich behaupten, dass meine Google-Suche wie folgt lautete: “Wie baue ich auf gesunde Weise Muskeln auf und ernähre mich dabei möglichst ausgewogen”. Gelogen! Um ehrlich zu sein waren die Suchbegriffe meiner Wahl: Schnell abnehmen, 10kg in zwei Monaten, Bootcamp, dünner werden etc. So landet man im Netz irgendwann mal beim “härtesten Sport der Welt” und bei diversen Selbstversuchen von Journalisten, die alle nicht fassen konnten, wie schnell sie abgenommen und Muskeln aufgebaut haben. Genau! Mein! Ding! Bereit, jetzt nochmal in die Vollen zu gehen, eine Weile zu leiden und dann gestählt, gutaussehend, dünn (!!!) und totaaaaal selbstbewusst mein neues Leben zu begrüßen, suchte ich nach einer Box in meiner Umgebung und freute mich sehr, auch in Darmstadt ein Angebot zu finden. Inklusive eines Einstiegskurs zum fit machen.

Bevor ich es mir anders überlegen konnte, schrieb ich eine E-Mail, meldete mich zum Probetraining an und startete nur kurze Zeit später in ein neues Leben. Das Probetraining war unfassbar-fucking-ichmachdichfertig-hart. Dabei haben es Kenny und Ingo aus dem Core Sportclub defintitiv auf absolute Neulinge ausgelegt. Es war ein Training bei dem jeder halbwegs trainierte CrossFitter sagen würde: “Kindergarten, ich zieh mir erstmal die Gewichtsweste an!”. Es war so hart für mich, dass ich mich die nächsten Tage nicht einmal setzen konnte. So hart, dass ich Nachts aufwachte, weil meine Muskeln laut geweint haben. So hart, dass ich die Treppen rückwärts runter laufen musste. Das Training war Donnerstag. Freitag dachte ich, dass ich mich nie wieder werde bewegen können. Samstag früh wollte ich mich aus diesem Leben verabschieden. Samstag Mittag war ich wieder im Core und dann Dienstag und Donnerstag und wieder Samstag und wieder Dienstag. Jede Woche. Inzwischen bin ich 1,5 Jahre Mitglied im Core Sportclub, dreimal pro Woche bin ich mindestens dort. Ich habe ganz schön was eingesteckt in dieser Zeit. Anfangs war ich nicht einmal in der Lage einen ordentlichen Sit-Up zu machen, von schweren Gewichten hatte ich allenfalls gehört. Mehr als einmal standen mir vor Wut über meinen unfähigen Körper die Tränen in den Augen. Mehr als einmal haben mich die Coaches trösten, anspornen aber auch zurückhalten müssen, weil ich mehr wollte, als es mir möglich war. Ich habe mich mehr als einmal filmreif auf die Fresse gelegt und bin doch wieder aufgestanden. Ich habe mir die Langhantel trotz aller Umsicht der Trainer schon an die unmöglichsten Stellen gehauen und ganz oft, wenn ich hundertpronzentig sicher war, dass wirklich überhaupt gar kein Fitzelchen Energie mehr übrig ist habe ich doch eine Wiederholung mehr und doch noch mehr Gewicht geschafft, als ich es jemals für möglich gehalten hätte.

Nach Hause brachte ich also nicht nur schlimmen Muskelkater und großen Hunger, sondern mit jedem Training auch ein gestärktes Selbstbewusstsein. In dieser Zeit hat sich nicht nur mein Körper verändert, sondern auch meine Einstellung. Ich will nicht mehr dünner sein um jeden Preis. Ich will stärker sein. Das aber auch nicht um jeden Preis. Ich bin hart zu mir selbst geworden, aber ich ziehe mich nicht mehr runter. Ich habe gelernt über mich zu lachen ohne mich selbst auszulachen. Die Zeit hat mit ihren Höhen und Tiefen aber keine Superwoman aus mir gemacht. Ich bin die “Ottonormalathletin”. Die Wahrscheinlichkeit, dass mein Name in diesem Leben nochmal in irgendwelchen Rankings auf den oberen Plätzen auftaucht ist verschwindend gering, aber ich habe eine Menge Spaß.

Ich mache endlich gerne Sport. Das Training ist mein Heiligtum. Ich lasse nichts dazwischen kommen, sofern es irgendwie geht. Ich mache einen Sport, der mich Morgens zu Unzeiten aus dem Bett treibt, der mir nach schlimmen Tagen im Job Kraft gibt, obwohl er mir gleichzeitig alles abverlangt. Das ist etwas, von dem ich dachte, dass es mir niemals mehr passieren kann. Ich kann nur jedem Menschen wünschen, dass er findet was ich gefunden habe.

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6 thoughts on “WOD – Workoutoftheday.de

  1. Claudi sagt:

    Wow. Sehr schön geschrieben! Ich mag es, wenn’s von Herzen kommt… Du solltest öfter für die Seite schreiben, dann kann sich Crossfit bald nicht mehr vor Neueinsteigern retten.

    1. Caro sagt:

      Danke, Claudi! Das ist so lieb von Dir 🙂

  2. whiteytah sagt:

    Und wieder einmal ein sehr schön geschriebener Artikel. Du bringst es sehr treffend auf den Punkt – das gefällt mir sehr gut! Klasse!!!
    Liebe Grüße,
    Thomas

    1. Caro sagt:

      Gnaz, ganz lieben Dank. Es freut mich riesig, dass Dir der Artikel gefällt!
      Liebe Grüße,
      Caro

  3. Bianca Karp sagt:

    Hej…schön deinen Blog gefunden zu haben ich mag Deinen Stil und kann hier ganz viel lernen ….dann hol ich mir mal was zu knabbern und durchstöbere deinen gesamten Blog:)

    1. Caro sagt:

      Herzlich Willkommen! Viel Spaß beim lesen und wenn Du Anmerkungen haben solltest: Ich freue mich über jeden Kommentar.
      Liebe Grüße, Caro

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