Caro wird fit!

Shut up and squat!

Tatsache – 6 Wochen Training sind um und ich habe nicht eine einzige Einheit ausfallen lassen. Da die Zickengeschwister Hüfte und Knie beide in bester Laune alles mitgemacht haben, gab es auch keine größeren Beschwerden. Lediglich gegen Ende der letzten Übungswanderung habe ich jedes einzelne Gelenk in meinem Körper gemerkt. Ist halt doch kein Ponyreiten so ein Trainingsplan.

Letzte Woche hing ich allerdings durchgehend etwas in den Seilen. Die Erschöpfung war mir deutlich anzumerken, mein Schlafbedarf extrem erhöht und mein Appetit schwankend zwischen absolut nicht vorhanden und Fressattackenausmaßen. Trotzdem stellte sich ab Dienstag ein ungläubiges Staunen darüber ein, dass ich tatsächlich die kompletten sechs Wochen durhcgehalten habe. Das war, was ich mir fest und eisern für die Zeit vorgenommen hatte: Ich lasse mir das Training durch nichts versauen. Egal was passiert, ich ziehe das durch. Im Job habe ich rechtzeitig angekündigt, dass mir das sehr wichtig ist (und zum Glück eine große Portion Verständnis geerntet). Den beiden Zickenschwestern habe ich mitgeteilt, dass ich keinerlei Gejaule dulde (ich kann noch nicht fassen, dass das funktioniert hat!) und auch in der Familie und im Freundeskreis habe ich angekündigt, dass ich sehr sparsam mit meiner Zeit umgehen muss. Mir selbst habe ich kein einziges „Ich kann nicht, weil…“ durchgehen lassen. Vor allen Dingen darauf bin ich extrem stolz. Als ungeschlagene Weltmeisterin im Ausredenfinden hat man es nicht so wirklich leicht, sich selbst auszutricksen. Durchhalten können und hart zu mir selbst sein können – das sind zwei Dinge, die jetzt schon mitnehme, ohne die Tour überhaupt gemacht zu haben.

Gerade die letzte Woche hatte es nochmal so richtig in sich. Das Krafttraining am Dienstag hat mir seit langem mal wieder einen ordentlich Muskelkater beschert, der sich auch am Mittwoch und Donnerstag nicht verabschieden wollte. Überhaupt der Donnerstag! Zwanzig Minuten Sandbag Get Ups. Ich arbeite ja noch daran die Übung zu mögen, bisher erfolglos. Für mich die grobgeschnittene, rohe Zwiebel unter den Übungen. Treibt einem die Tränen in die Augen und hinterlässt einen mit ’nem ekligen Geschmack im Mund. Teufelszeug. Natürlich habe ich mal wieder den typischen Anfängerfehler gemacht – ständig auf die Uhr schauen und jedesmal im Geiste vor mich hinjammern, dass es immer noch 19, 18, 17 Minuten sind.

Am Freitag folgte dann genau das, was mich jedesmal „Ooooohoooh!“ denken ließ, wenn ich mir den Plan angesehen habe. Eintausend Step Ups. Diesmal mit vom Coach persönlich nachgewogenem Rucksack. Die 12kg Füllung waren in meinem Kopf immer noch 9kg, aber irgendwann in dieser Woche muss er das angepasst haben. Das hat mein Hirn sorgfältig unter „Kümmern wir uns später drum“ abgelegt und dann wie üblich gelöscht. Zum Glück. Vielleicht wäre mir doch noch eine Ausrede eingefallen. Das Warm Up haben wir dann direkt mal ausfallen lassen. Bei 1000 Step Ups wird man von alleine warm, schneller als man „Warm Up“ denken kann. Ich bin nicht wirklich stolz drauf, aber ich habe 1 Stunde und 15 Minuten gebraucht. Das muss man allerdings auch erstmal schaffen. 99% aller Crosstrainermuddis würden da schon längst frisch geduscht ’nen Cappuchino trinken. An dieser Stelle erlaube ich mir das Lästern, schließlich war ich selbst mal Cappuchinotrainierende, jawohl!

Box

Box2

Da das jetzt aber alte Zeiten sind schleppte ich mich mit letzter Kraft schwang ich mich frisch erholt auf das Rudergerät und hing noch die geforderten 7,5km Rudern dran. Danach schwankte meine Gefühlswelt zwischen „Alter! Ich hab’s geschafft und ich lebe noch!“ und „Shit! Am Sonntag kommt ja noch die Wanderung!“.

Rudern

Um mir möglichst oft einzureden, dass das echt ’ne harte Nummer wird, hatte ich ja jetzt sechs Wochen Zeit. Da bin ich wirklich vom MachDirdasLebenambestenschwer-Typ. Es ist wirklich jedesmal das selbe mit mir. Ich will sowieso immer alles gleich und sofort können und das dann auch noch perfekt und ich habe eine unmenschlich große Panik davor völlig zu versagen. In 99,9% aller Fälle kommt es dann am Ende nicht einmal annähernd so schlimm, wie ich es mir vorher in den dunkelsten Grauschattierungen ausgemalt habe. Auch dieses mal nicht.
Gut, ich war ziemlich matschig in der Birne, als ich mich nach nur vier Stunden Schlaf aus dem Bett gequält und vorbereitet habe. Der Kaffee wollte auch nicht so recht wirken, aber – das kann ich schon mal vorgreifen- ich bin angekommen. Am Stück, ziemlich kaputt mit ein wenig Hüftgezicke, aber ohne größere Schäden. Ein paar typische Caros gab es aber auch. Früh am Morgen war mir noch ziemlich kalt, deswegen bin ich mit Jacke losgelaufen. Und wie schon bei der ersten Wanderung erlebt, es dauerte keine fünf Minuten bis ich komplett durchgeschwitzt war. Mein miesgelauntes Frühmorgen-Ich schimpfend im Hinterkopf. Glücklicherweise waren ein paar Mitstreiter wacher als ich und haben mir ihre Hilfe angeboten. So konnte ich mich eben der Jacke entledigen ohne stehenzubleiben. Ab da wäre dann alles gut gewesen, hätte nicht mein Blutdruck beschlossen mal eben ins Untergeschoss umzuziehen. Es ist manchmal wirklich ein Graus mit mir, hörte am einen Ende auf zu ziepen, fängt der nächste Blödsinn an. Durchgezogen habe ich es trotzdem und am Melibokus, nach zwei gefrühstückten Raw Bite, war dann auch wieder mehr Energie da und ich habe mich nicht mehr so unfassbar matschig gefühlt.Trotzdem haben wir ab Kilometer 15 über fast nichts anderes mehr geredet als Essen. Man stelle sich vor, dass man über mehr als 10km Appetitanregende Gespräche führt. Vom perfekt gebratenen Steak über Sushi hin zu den cremigsten Desserts. Am Ende der Tour war ich kurz davor einen Spaziergänger zu grillen.

Hiking

Leider ist mir kurz vor Ende der Akku abgeraucht, aber der Löwenanteil ist aufgezeichnet. Das waren harte Wochen. Eine körperlich und mentale Herausforderung und gleichzeitig so ein Spaß! Jetzt freue ich mich auf unseren Start Morgen früh und packe bis dahin meinen Rucksack noch zehnmal um 🙂

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3 thoughts on “Gipfelsturm – Training beendet

  1. Claudi sagt:

    Herzlichen Glückwunsch Caro! Du wärst auch ein top Triathlet… da geht’s ja auch nur gegen sich selbst. Ich finde das gigantisch, wie Du das durchgezogen hast. Wirklich toll! Da sei mal mit recht stolz drauf.
    Viele Grüße & viel Spaß beim packen.
    Claudi

    PS: Ach ja… und viel Glück für den Spaziergänger! 🙂

    1. Caro sagt:

      Danke, Claudi!

  2. Bianca Karp sagt:

    Ich weiss zwar überhaupt nicht was Gipfelsturm ist aber es hört sich gut, herausfordernd und anstrengend an:) Als ich seinerzeit im zarten Alter von 17 wandernd in der Einöde Lapplands unterwegs war mit ein paar Nüssen, Müsli und Trockenmilchpulver im Gepäck, da haben meine Freundin und ich auch kilomeeeeeterweise zu 100 % Essensthemen gewälzt. Am Ende hatten wir wirklich(!) das Gefühl durchzudrehen und versucht das Thema doch zu wechseln….man kann sich grauenvoll reinsteigern (übrigens in alles:))
    LG

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