Caro wird fit!

Shut up and squat!

In den letzten Wochen lief es nicht so. Was sag ich da. In den letzten Monaten. Genauer gesagt seit März. Krank, lustlos, wieder krank, wieder Schmerzen, wieder trainiert, mühsam in Winzschrittchen zurück gekämpft, wieder Schmerzen, wieder von vorne, wieder nichts. Wieder etwas nach hinten verschoben. Wieder eine Erkältung und wieder langsam vorarbeiten. Dauerunzufrieden, immer wieder in der Situation mir selbst erzählen zu müssen, dass es schon wieder wird, irgendwann. So oft bis ich es schon selbst nicht mehr glaubte. Nichts desto trotz habe ich am Training für den Urbanian Run festgehalten. Mal mehr, mal weniger einsatzbereit.

Sonntag war’s dann soweit. Urbanian Run in Frankfurt. Das Saisonfinale. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich schon beim Aufstehen ziemlich angespannt war. Laufen war in den letzten Wochen nicht wirklich drin. Ich hatte mal wieder alle 5 Minuten ein anderes Zipperlein und beim Testhangeln hing ich da wie ein vollgeschwitzter Sandsack. Keine Spannung mehr im Körper. Das alles ging mir natürlich auch am Sonntag früh durch den Kopf. Ich hatte wirklich fiese Angst mich zu blamieren. Wahrscheinlich fragte mich auch deswegen mein Sohn, ob ich denn sehr aufgeregt sei 😉

Gegen 13 Uhr trafen sich alle Teilnehmer aus dem Core Sportclub auf einem Parkplatz, gemeinsam fuhren wir dann zum Frankfurter Osthafen. Hier war recht schnell zu erkennen, wo es man lang muss. Immer den bunt gekleideten Läufern nach in Richtung Musik. Am Start konnten wir schonmal die Halfpipe begutachten, die für alle 5km-Läufer das letzte Hindernis werden sollte. Gerade davor hatte ich doch schon ordentlich Respekt. Auf dem Weg dahin erwähnte der Coach, dass es noch einen freien Startplatz gebe. Und so fand ich den besten Mann von allen nach Abholung der Startunterlagen mitsamt der Joggingbuxe des Coaches vor. So spontan hat sich wohl kaum einer für einen Start entschieden.

Unsere 10km Truppe startete komplett in Startblock 4, während wir 5er noch ein paar Minuten Zeit hatten. Als letzter Startblock ging es für uns um 15.25Uhr auf die Strecke. Ich hatte mir vorgenommen so oft als nur nötig Gehpausen einzulegen.Es waren eben untrainierte 5km. Bis zum ersten Hindernis kam ich aber ganz gut voran. Und wo ich tage zuvor noch rum hing wie ein nasser Sack, lief es hier dann richtig gut. Ich wartete kurz, bis ich etwas Abstand zur Läuferin vor mir hatte und habe dann die komplette Strecke geschafft, ohne ein einziges Mal absetzen zu müssen. Das war für mich ein riesiges Erfolgserlebnis.
Was man an diesem Grenzdebilen Lächeln auch deutlich erkennen kann

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Alleine dafür hat sich meine Teilnahme schon gelohnt. Nur für dieses „Geht doch-Gefühl“, das so unfassbar glücklich machen kann und für das anschließende High-Five mit dem Mann.

Das nächste Hindernis lies nicht lange auf sich warten. Nur wenige Meter weiter warteten die mit Sand gefüllten Big Packs darauf übersprungen zu werden. Der Mann machte das tatsächlich. Mein ISG und ich eher so die Tante Brunhilde-Variante. Vorsichtig ein Bein hoch, aufsteigen, leicht seitlich auf der anderen Seite wieder runter. Um Sekunden ging es bei mir ja ohnehin nicht.

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Als drittes Hindernis warteten jede Menge Autoreifen auf uns, über die es drüber zu klettern galt. Ein ziemlich wacklige Angelegenheit, die ich jedoch in Tante Brunhilde-Manier wieder hervorragend gemeistert habe.
Danach war erstmal lange Laufen angesagt. Für meine Verhältnisse lange. Für andere ein kurzer Sprint. Für mich gab’s hier dann die Gehpausen. Ich habe mich gar nicht so sehr darüber geärgert, wie ich morgens noch befürchtete.

Das nächste Hindernis, von dem ich leider kein Foto habe, war ebenfalls recht flott zu überqueren. Rüber über zwei Autos, Rampe hoch, und ein beherzter Sprung. Fertig. Davon hätte ich ein paar mehr haben können. Das hat richtig Spaß gemacht. Nach diesem Hindernis durften die 10km Läufer geradeaus weiter laufen, um sich noch ein paar Herausforderungen zu stellen. Der Mann und ich bogen links ab, auf den Weg zu dem für uns letzten Hindernis. Mein persönliches Panikhindernis. Ich sah mich vor meinem geistigen Auge bereits in Zeitlupe die Halfpipe runter rutschen. Natürlich nachdem ich mir spektakulär erstmal jedes Körperteil einzeln angehauen habe. So stellte ich mir das zumindest während der Wartezeit vor dem Hindernis vor. Ungefähr so darf man sich das dazu passende Zuschauergesicht vorstellen.

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Glücklicherweise war aber alles ganz anders. Der Mann sprang quasi die Halfpipe hoch, half noch zwei anderen Damen und war dann mit Sicherheit sehr glücklich über jede einzelne Muskelfaser, die er besitzt. Mit einem beherzten Sprung meinerseits und einem ordentlich Zug seinerseits habe ich es tatsächlich auch auf die Halfpipe geschafft. Wahnsinn! Ich hätte am liebsten da oben schon vor Freude getanzt. Zunächst durften wir uns aber noch kurz im Stangentanz üben. Die „OhmeinGottdasistjasohochdakommeichnichtrunter-Fotos erspare ich den Herrschaften jetzt. Fakt ist, ich habe geschafft und mich tatsächlich nicht blamiert.

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Allen, die jetzt gerade laut lachen, sei gesagt: Von oben sieht das aus wie mindestens fünf Meter! So!

Während ich es mir jetzt gemütlich machen wollte und den Lauf quasi innerlich für beendet erklärte, lief der Mann aber weiter. Erst da habe ich verstanden, dass da ja noch Strecke kommt und es tatsächlich einen Zieleinlauf geben wird. Gott sei Dank, hat der Gatte sich so spontan zu einer Teilnahme durchringen können. Ich hätte da erstmal ein Schwätzchen gehalten und mir ein Crepe besorgt. Statt dessen bin ich dann doch noch im Ziel gelandet. Nach allen andern 5km-Läufern aus dem Club, was so gar nichts machte, weil alle gejubelt haben und wir dann gemeinsam auf unsere 10km-Läufern warten und unser Zielbier trinken konnten. Glücklich, verschwitzt, auch etwas stolz, weil ich durchgehalten habe und sehr froh, dass so tolle Mitstreiter dabei waren. Danke allen die Mitgelaufen sind oder mit trainiert haben! Das zeigt auch mal wieder wie toll der Core Sportclub ist. Es war ein großer Spaß mit euch! Ein dickes Danke an den Mann für die spontane Entscheidung. Und sowieso an meinen Sohn, meinen Bruder und die liebste Schwägerin fürs da sein, anfeuern und Fotos machen. Was für ein Tag!

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9 thoughts on “Urbanian Run – Das Saisonfinale aus Caros Sicht

  1. vegansports sagt:

    Hey wow und Glückwunsch!!!! Die wahren Sieger sind doch solche wie Du einer bist. Ich bewundere Dein Durchhaltevermögen, Ehrgeiz und „never give up“- Mentalität mehr als jede aus der Tasche gezogene sportliche Bestleistung für die man sich nicht sonderlich anstrengen muss. Ich finde es phantastisch ziehe den Hut und schneide mir ein paar Scheibchen von dir ab! Und tolle Bilder sind es geworden, wirklich schön!

    1. Caro sagt:

      Dankeschön! Ich freue mich imemr noch so, auch Tage später 🙂

  2. Ahh da isser ja der Bericht.
    Das hört sich sehr gut an und ich bin super stolz auf dich!
    Weiter so!!!!

    1. Caro sagt:

      Danke Dir! Bis zum nächsten Training 🙂

    1. Caro sagt:

      Dankeschön 🙂

  3. chriba76 sagt:

    Freu mich total für dich, dass Du so ein tolles Erfolgserlebnis hattest. Vor allem nach den vielen Rückschlägen hätte sicher so manch andere das Handtuch geworfen. Tolle Leistung!

  4. Claudi sagt:

    Klasse Caro! Herzlichen Glückwunsch!
    Danke für den tollen Bericht und natürlich auch herzlichen Glückwunsch an den Mann für den spontanen Start in der Coachhose.

    1. Caro sagt:

      Danke Claudi, auch vom Gatten 🙂

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